Zukunft des Sindelfinger Stern-Centers

Veröffentlicht am 13.12.2008 in Allgemein

Pressekonferenz
zur Zukunft des Sindelfinger Stern-Centers
am 6.12.2008

Christina Frank, Walter Wedl und Hartmut Zweigle bitten die
Bevölkerung, sich mit den Betroffenen durch ihre
Unterschrift zu solidarisieren.

Noch herrscht Leben im Stern-Center am Sindelfinger Busbahnhof. Aber innen breitet sich Panik aus. Der Supermarkt real, der eine Verkaufsfläche von 6.300 Quadratmetern über zwei Stockwerke belegt, kündigte im Sommer an, dass er spätestens Ende 2009 schließt. Da läuft die Mietbindung des 1999 bezogenen Einkaufszentrums aus.

Verdi und die beiden Betriebsseelsorger, an die sich viele kleinere Einzelhändler gewandt haben, befürchten einen Domino-Effekt wie im DOMO. Bei der Pressekonferenz in der Evangelischen Betriebsseelsorge - im Stern-Center wurde sie nicht erlaubt - sagte Pfarrer Hartmut Zweigle, der Konzern Metro, dem das Haus und real gehören, solle die soziale Verantwortung übernehmen und sich nicht in der Art einer Heuschrecke benehmen: ein Betongebäude hinklotzen und nach zehn Jahren wieder gehen. Das heißt, die Arbeitsplätze der real- MitarbeiterInnen müssten erhalten werden und die Existenz der anderen Händler und Dienstleister ebenfalls. Denn diese fürchten den Niedergang des Hauses, wenn solch ein
wichtiger Mieter ausfällt. Christina Frank, bei Verdi seit einem Jahr für den Einzelhandel zuständig, weiß: Wenn ein Supermarkt vier oder fünf Monate geschlossen ist, verlagern
sich die Kundenströme und die anderen Geschäfte gehen kaputt. Für die Bürger der Stadt müsse die wohnortnahe Versorgung gewährleistet sein.

Die Minimalforderung an die Metro AG ist daher: Kein Leerstand, sondern ein nahtloser Übergang zu einem Nachmieter. Da sehr viele Angestellte bei real 50 Jahre und älter sind, hätten sie nur so eine Chance auf Weiterbeschäftigung. „Für die Metro wären es Peanuts, erst rauszugehen, wenn die Gesamtkonzeption des Stern-Centers nicht gefährdet ist“, so die Gewerkschafterin. Sie fürchtet die Sogwirkung des neu entstehenden Kauflands einen
Katzensprung entfernt, die das Stern-Center zu einer Ruine mit Spielhöllen und Sexshops drumherum verkommen lassen würde. „Das beeinflusst die Lebensqualität der Bürger.“

Deshalb hat sie zusammen mit den beiden Betriebsseelsorgern schon Flugblätter an die Kunden verteilt, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie bei ihrer Kaufentscheidung
auch darüber entscheiden, ob Sindelfingen lebendig und lebenswert bleibt. „Wer nur billig einkaufen will, trägt dazu bei, dass eines Tages nur wenige Lebensmittelketten
darüber entscheiden, was wir essen.“

Der katholische Betriebsseelsorger Walter Wedl schließt nicht aus, dass Metro nur um eine billigere Miete pokert. Dem widersprach Manfred Janz, stellvertretender Betriebsratsvorsitzenden von real. Er weiß, dass die Schließung von real-Märkten eine großangelegte Aktion ist, die besonders die Neuen Länder betrifft. Der neue Vorstandsvorsitzende Dr. Cordes will das Unternehmen auf elektronische Geschäfte, wie Saturn und Mediamarkt, konzentrieren. Gesagt wurde dem Betriebsrat bisher nur, man
sei in Gesprächen mit Interessenten, aber die allgemeine Lage mache es nicht einfach. Und so breitet sich Angst aus.

Bei real im Stern-Center arbeiten 86 Menschen. Zusammen mit den Angestellten der anderen 64 Mieter sind es schätzungsweise 650. Zur Zeit herrsche gespannte Ruhe, so
Manfred Janz. Das Weihnachtsgeschäft solle vermutlich nicht gestört werden. Zu Beginn des neuen Jahres fürchtet er, dass sich das schlagartig ändern wird.

Christina Frank, Walter Wedl und Hartmut Zweigle bitten die Bevölkerung, sich mit den Betroffenen durch ihre Unterschrift zu solidarisieren.

 

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