Automobilregion Stuttgart vor großen Herausforderungen

Veröffentlicht am 24.11.2009 in Metropolregion

Gemeinsame Presseinformation der Herausgeber und der beauftragten
Institute zum Strukturbericht 2009 für die Region Stuttgart

Automobilregion Stuttgart vor großen Herausforderungen
Die Region Stuttgart steht vor großen Umbrüchen und Herausforderungen.

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftkrise haben die hohe Abhängigkeit der Region von ihren Schlüsselbranchen Fahrzeugbau und Maschinenbau deutlich gemacht.

Mittelbar hängt jeder sechste Arbeitsplatz am Automobil. Klimawandel, ein
neues Konsumentenverhalten und technologische Innovationen ziehen tief
greifende Veränderungen im gesamten Automotive-Cluster nach sich. Dieser Prozess und der fortschreitende Strukturwandel mit dem weiteren Anstieg des Dienstleistungssektors verändern in den kommenden Jahren Arbeit und Beschäftigung. Der gemeinsam vom Verband Region Stuttgart, der Industrie-und Handelskammer, der Handwerkskammer und der IG Metall Region Stuttgart herausgegebene Strukturbericht 2009 analysiert die Entwicklung der Wirtschaftsregion der letzten zwei Jahre, bewertet die Ergebnisse, gibt Handlungsempfehlungen und fordert eine bessere Zusammenarbeit und Koordinierung in Forschung, Entwicklung, Produktion, Dienstleistung, Aus- und Weiterbildung sowie eine abgestimmte regionale Politik.

Umbruch in der Automobilregion Dem Strukturbericht zufolge bestehen die
zentralen Herausforderungen für die Automobilregion Stuttgart darin,
einerseits noch viele Jahre wettbewerbsfähige, das heißt sparsame und
umweltfreundliche Fahrzeuge der Premiumklasse zu entwickeln und zu
verkaufen. Parallel dazu müssen Fahrzeuge mit elektrischem Teil- und
Vollantrieb entwickelt und in die breite Anwendung gebracht werden.

Ein weiteres Ziel müsse sein, die Abhängigkeit der Zulieferer vom
Fahrzeugbau zu verringern sowie andere Geschäftsfelder zu erschließen
oder auszuweiten. Die mit dem Wandel der Antriebstechnologien
einhergehende Veränderung der Nutzerwünsche könne in Zukunft dazu führen, dass für unterschiedliche Einsatzzwecke verschiedene Fahrzeugtypen gekauft, geleast oder gemietet werden. Dies erfordere hohe risikoreiche Investitionen und langfristige, auf zukunftsfähige Mobilität gerichtete Strategien. Betroffen davon seien Hersteller und Zulieferer ebenso wie zum Beispiel alle öffentlichen Institutionen, die in entsprechende Infrastruktur investieren müssen.

Um die Auswirkungen des Technologiewandels im Automotive-Cluster auf die Betriebe und Beschäftigung in der Region möglichst aktuell darzustellen, wurden im Bericht statistische Daten und Branchen- und Technologiestudien ausgewertet sowie Interviews mit Experten des regionalen Automotive-Clusters geführt. Die Interviews konzentrierten
sich zum einen auf Personen aus dem Forschungs-/Entwicklungsbereich, um die Bandbreite an Antriebstechnologien und daran geknüpften Veränderungen zu untersuchen.

Zum anderen wurden Interviews mit Vertretungen der Arbeitnehmer geführt, um die Konsequenzen unterschiedlicher Entwicklungsszenarien auf die Arbeitsplätze sichtbar zu machen. Aufschwung und Rezession – die
Wirtschaft in der Region 2006 bis 2009 Den Zeitraum seit Veröffentlichung
des letzten Strukturberichts 2007 kennzeichnen zwei völlig unterschiedliche Entwicklungen. Standen die Jahre 2006 und 2007 noch im
Zeichen von Umsatzwachstum und steigender Beschäftigung, so gab es 2008 in der Folge der Finanzkrise bereits massive Anzeichen für einen in der Nachkriegszeit beispiellosen Abschwung.

Die Region hat eine unangefochtene Spitzenstellung bei der technologischen Wettbewerbsfähigkeit. Doch wirtschaftliche Leistungsfähigkeit macht abhängig und verletzbar – diese Erfahrung macht die Region Stuttgart derzeit mit ihrem im Vergleich zu anderen Regionen immer noch starken Produktionssektor und vor allem mit der ausgeprägten Exportorientierung ihrer Schlüsselbranchen Fahrzeugbau und Maschinenbau. Das Zitat aus einem Unternehmen, „als hätte jemand den Stecker rausgezogen“ kennzeichnet die Wucht, mit der die Region Stuttgart von der Krise getroffen wurde.

Strukturwandel und Beschäftigung Rund 180.000 bzw. jeder sechste
Beschäftigte der Region, so das Ergebnis von Schätzungen der Autoren,
arbeitet auf einem Produktions- oder Dienstleistungsarbeitsplatz
bei Herstellern, Zulieferern und in der automobilbezogenen Forschung und
Entwicklung.

Von 2006 bis Mitte 2008 stieg die Zahl der Beschäftigten insgesamt um
rund 28.000 oder 2,7 Prozent. Der Anstieg fand ausschließlich im
Dienstleistungssektor statt. In den Schwerpunktbranchen des
produzierenden Gewerbes verlief die Beschäftigungsentwicklung
in den letzen 10 Jahren sehr unterschiedlich: während im Fahrzeugbau
zwischen 1999 und 2008 die Zahl der Beschäftigten um rund 5 Prozent
anstieg, gingen in der Elektrotechnik 20 Prozent der Arbeitsplätze
verloren. Im Maschinenbau belief sich der Abbau in diesem Zeitraum auf
7,5 Prozent. Auch im Dienstleistungssektor verlief die Entwicklung nach
Branchen unterschiedlich. Einen kräftigen Zuwachs an Beschäftigten gab es bei den Unternehmensnahen Dienstleistungen und den Personenbezogenen Dienstleistungen mit 15.600 (+11 %) bzw. 8.300 (+4,7 %) neuen Stellen.

Dagegen wurden im Kredit- und Versicherungsgewerbe 3.800 Stellen (-7,4 %) abgebaut. Insgesamt stieg in den letzten zehn Jahren die Zahl der
Beschäftigten im Dienstleistungssektor um fast 75.000, im Produzierenden
Gewerbe sank sie um 52.000.

Inhalt und Qualität der Arbeitsplätze verändern sich Rund zwei Drittel
aller Beschäftigten in der Region üben mittlerweile eine
Dienstleistungstätigkeit aus. Dienstleistungsarbeitsplätze sind zunehmend
Teilzeitarbeitsplätze. Aktuell sind 16 Prozent aller Beschäftigten
teilzeitbeschäftigt. Dies betrifft nach wie vor überwiegend Frauen. Auch
der Anteil geringfügig Beschäftigter nimmt zu. Allein von 2006 bis 2008
wuchs die Zahl der Mini-Jobs um 5,5 Prozent auf knapp 260.000. Auf
100 voll sozialversicherungspflichtig Beschäftigte kommen etwa 25

Mini-Jobs, ganz überwiegend im Dienstleistungssektor. Mittlerweile sind
ca. 2 bis 2,5 Prozent aller Beschäftigten in Zeitarbeitsfirmen
beschäftigt. Ein positives Kennzeichen der aktuellen Krise ist, dass die
Unternehmen über das Instrument Kurzarbeit ihre Stammbelegschaften,
soweit möglich, halten wollen. Dem steht allerdings ein wachsender Anteil
von Beschäftigten mit befristeten Verträgen und in Zeitarbeitsfirmen
gegenüber, die an diesem Schutz gegen den Arbeitsplatzverlust nicht
teilhaben.

Der Strukturbericht und die Pressemitteilungen finden sich im Anschluss
an das Pressegespräch auf der Homepage der IG Metall Region Stuttgart
unter

Gemeinsame Presseinformation der Herausgeber und der beauftragten Institute zum Strukturbericht 2009 für die Region Stuttgart

Strukturbericht 2009 Zusammenfassung

Strukturbericht 2009
www.region-stuttgart.igm.de

 

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