Leserbrief zu "Brauchen Zeitarbeiter den Mindestlohn"

Veröffentlicht am 18.12.2010 in Presse im Wahlkreis
Leserbrief Walter Wedel 20101218

Ein anderes Gesamtbild

zu: "Brauchen Zeitarbeiter ,den Mindestlohn?"
(SZ/BZ vom 10. Dezember)

Auf einer halben Seite stellt die SZ/BZ das Für und Wider eines branchenbezogenen Mindestlohns dar. Dafür wurde sauber recherchiert. Das lässt sich an Details wie den tariflichen Stundensätzen ablesen.

Dennoch macht mich der Artikel ärgerlich, da einige Details nicht genannt wurden, die ein anderes Gesamtbild ergeben: Dass die Tarifverträge
der DGB-Gewerkschaften mit (zwei von drei) Arbeitgeberverbänden der
Zeitarbeitsbranche solch unverschämt niedrige Stundensätze für ausgelernte und erfahrene Fachkräfte festschreiben, lag daran, dass die Arbeitgeberverbände offen drohten, ansonsten Tarifverträge mit der Zeitarbeits-Gewerkschaft CGZP des CGB abzuschließen, die als Köder noch niedrigere Stundensätze angeboten hatten.

Meiner Erfahrung nach erhalten Leiharbeitnehmer für dieselbe Arbeit in Betrieben bis zu 40 Prozent weniger Stundenlohn als ihre fest angestellten Kollegen. Ein grober Verstoß gegen das Prinzip der christlichen
Soziallehre wie die Gewerkschaftsforderung "gleicher Lohn für gleiche Arbeit".

Zudem ist nach Wie vor bedeutsam, ob gleiche Bezahlung oder gleiche Behandlung vereinbart wird: Festangestellte der Kernbelegschaft verfügen über eine ganze Reihe von Vergütungsbestandteilen, die über den
reinen Lohn hinaus gehen. Zu nennen sind die betriebliche Alterssicherung oder Mitarbeiterkaufprogramme bis hin zu vergünstigtem Kantinenessen oder kostenlosen Parkplätzen.

Die politische Forderung muss also auf konsequente Gleichbehandlung am Arbeitsplatz lauten. Übrigens: Warum gibt es keine wirksamen betrieblichen Alterssicherungsprogramme für Leiharbeiter?

Dass der Anteil der Zeitarbeiter in der Metall-und Elektrobranche nur bei sechs Prozent lag, hängt mit den in dieser Industrie gewachsenen Belegschaftsstrukturen und deren Altersschnitt zusammen. Schaut man
lediglich auf die unter 30 Jahre alten Beschäftigten, würde sich ein ganz anderes Bild ergeben: Dort sind Festanstellungen "erster Klasse" mittlerweile in der Minderheit; die meisten unter 3O-Jährigen sind
froh, wenn sie bei der Firma einen Zeitvertrag erhalten. Alle Anderen sollen in die Leiharbeit und fahren "dritter Klasse". Damit ist klar: Eine Trendwende weg von Stammbelegschaften hin zu' Arbeitsnomaden.

Diese Auffassung wird noch bekräftigt, wenn man die kaum veröffentlichten Zahlen zur durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit
bei Leiharbeitsfirmen kennt: In guten Firmen liegt er bei unter zwei Jahren,
bei schlechten deutlich darunter.

All das ergibt leider ein anderes Bild über diese Form von Erwerbs-Arbeit.

Walter Wedl, Böblingen, katholischer Betriebsseelsorger

 

Counter

Besucher:462097
Heute:45
Online:2

WebsoziInfo-News

05.12.2019 20:35 Unser Aufbruch in die neue Zeit.
Sei dabei, wenn wir auf unserem Bundesparteitag den Aufbruch in die neue Zeit gestalten. Wir übertragen vom 6. bis zum 8. Dezember live aus Berlin. JETZT INFORMIEREN

04.12.2019 21:25 Bundesparteitag in Berlin
Wir laden ein zum ordentlichen Bundesparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Unser Aufbruch in eine neue Zeit. Wir wählen eine neue Parteispitze – mitbestimmt von unseren Mitgliedern. Wir stellen die Weichen für eine moderne sozialdemokratische Politik. Wir entwickeln die Organisation unserer Partei weiter, um besser und schlagkräftiger zu werden. Unsere Gesellschaft erfährt viele Veränderungen, Umbrüche und

03.12.2019 08:36 Saskia Esken & Norbert Walter-Borjans gewinnen Mitgliederbefragung
Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sollen die SPD in die neue Zeit führen. Das haben die Mitglieder entschieden. Die kommissarische SPD-Vorsitzende Malu Dreyer gratulierte beiden und dankte dem unterlegenen Team Klara Geywitz und Olaf Scholz. „Wir sind uns einig: wir bleiben zusammen. Wir sind eine SPD.“ Esken und Walter-Borjans kündigten an, die SPD zusammenhalten zu

03.12.2019 08:34 Bernd Westphal zu Altmaiers Industriestrategie
Steuersenkungen mit der Gießkanne führen nicht zu mehr Wirtschaftswachstum „Steuersenkungen mit der Gießkanne und ein Kappen der Sozialabgaben führen nicht zu mehr Wirtschaftswachstum“, kommentiert Bernd Westphal die heute vorgelegte Industriestrategie des Wirtschaftsministers. „Die heute vorgelegte Industriestrategie ähnelt in weiten Teilen der bereits bekannten Mittelstandsstrategie des Ministers: Steuersenkungen mit der Gießkanne und ein Kappen der Sozialabgaben führen

28.11.2019 16:26 Europäisches Parlament wählt EU-Kommission
„Wir freuen uns darauf, dass sie die sozialdemokratischen Pläne umsetzt“ Das Europäische Parlament hat die EU-Kommission am Mittwoch, 27. November 2019, mit 461 Stimmen gewählt – es gab 157 Gegenstimmen und 89 Enthaltungen. Dazu Jens Geier, Vorsitzender der SPD-Europaabgeordneten:  „Dem Kommissionskollegium um Ursula von der Leyen wurde das Vertrauen des EU-Parlaments ausgesprochen – nun müssen

Ein Service von info.websozis.de