AfA: Region muss Zentrum der Elektromobilität werden

Veröffentlicht am 14.02.2010 in Arbeitsgemeinschaften

Erhebliche Sorgen um die künftigen Arbeitsplätze in der Motorenfertigung auf der Neckartalachse zwischen Bad Cannstatt und Esslingen, aber auch in der gesamten Region Stuttgart macht sich die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD (AfA). Vor dem Hintergrund der Entwicklung hin zum Elektromobil sind nach Einschätzung der AfA-Region Stuttgart massive Strukturveränderungen zu erwarten.

Dies zeigte sich nach einer Diskussion über den Strukturbericht 2009 für die Region Stuttgart, den der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Stuttgart, Uwe Meinhardt, in einer Zusammenkunft der AfA in Stuttgart vorstellte. Die technologische Entwicklung in Richtung Elektromobil brächte, so Meinhardt, zwangsläufig eine völlig andere Fertigungsstruktur mit sich. Denn Elektroantriebe seien im Prinzip weniger komplex als Verbrennungsmotoren und benötigten eine erheblich geringere Fertigungstiefe.

Meinhardt erwartet zwar keinen abrupten Wandel, aber einen stetigen Prozess hin zu den neuen Technologien. Der Gewerkschafter machte am Beispiel der Kolbenfertigung deutlich, dass neue Technologien zu anderen Fertigungsstrukturen führten und damit unmittelbar die Arbeitsplätze tangierten. „Wenn Daimler zum Beispiel künftig 3- statt 8-Zylindermotoren baut, dann hat das unmittelbare Auswirkungen“, prognostizierte Meinhardt. Noch drastischer falle dieser Strukturwandel bei einem Umbruch zu Elektromobilen aus.

Uwe Meinhardt räumte ein, dass niemand die technologische Entwicklung und die damit verbundenen Strukturveränderungen heute genau vorhersagen könne, die Tendenzen seien aber unübersehbar, „dass es in 20 Jahren mit den Verbrennungsmotoren zu Ende geht“. Welche alternative Technologie sich letztlich umfassend durchsetze, sei aber noch offen.

„Die Gretchenfrage ist, ob es gelingt, die Region Stuttgart zum Zentrum der Entwicklung und Fertigung von Elektroantrieben zu machen“, sagte der AfA-Vorsitzende in der Region Stuttgart, Hellmut Roth. Die AfA will frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass es im Rahmen der Elektrifizierung des Autos zu Veränderungen in der Wertschöpfungskette kommen werde. Das Ziel aller an diesem Prozess Beteiligten müsse es sein, so Roth, „ein Gestaltungskonzept zu entwickeln, dass die technologische und wirtschaftliche Spitzenstellung der Region Stuttgart dauerhaft sicherstellt“.

„Dort wo heute Verbrennungsmotoren gefertigt werden, wollen wir die künftige Produktion von Elektromotoren angesiedelt wissen“, heißt es in einer Pressemitteilung der AfA. Auch über Mobilitätskonzepte der Zukunft wurde auf der AfA-Veranstaltung konträr diskutiert, vor allem darüber, ob der konventionelle Erwerb und Besitz eines Autos oder die Nutzung eines Fahrzeugspools je nach Bedarf, Zweck und Entfernung sich künftig durchsetze.

„Fest steht, nichts bleibt wie es jetzt ist. Und deshalb müssen wir als Arbeitnehmer diesen Prozess erkennen und mitgestalten. Sonst wir demnächst weg vom Fenster“, sagte Helmut Roth.

Der gemeinsame Strukturbericht der IG Metall, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und des Verbands Region Stuttgart sieht die Herausforderung der nächsten Jahre darin, die Region als weltweit bedeutsamsten Standort für den Fahrzeugbau zu erhalten. Dabei müssten, so heißt es laut Uwe Meinhardt in der Studie, „verbrennungsmotorenbetriebene Fahrzeuge weiterentwickelt und parallel mehrere Entwicklungslinien verfolgt werden, um den Umbruch zur Elektromobilität vorzubereiten“.

(Harald Kraus)

 

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